Vom Ranchpferd zum Sportpferd

Das Cowboyleben war keineswegs so romantisch wie es uns Hollywood glauben lassen möchte! 

Über die Sommermonate verbrachte der Cowboy weit ab von jeder Zivilisation seine Tage damit, die Rinder eines großen Ranchers zu versorgen! Die berühmten Halstücher, die in so manchen Filmen als Identitätsschutz bei Banküberfällen dienten, hatten einen ganz anderen Zweck. Meistens hatten die jüngeren Cowboys die besonders gehasste Aufgabe, direkt hinter der Herde zu reiten und die letzten Rinder immer wieder in die Herde einzugliedern! Das Gras der Prairie jedoch wächst auf sehr staubigen Boden, somit waren die armen Kerle den ganzen Tag in einer Art Sandsturm unterwegs und die Halstücher waren der Mundschutz. 

                                   

           

               Die Prärie eher dünn mit Gras durchzogen                            Bildquelle: aboutpixel.de / USA © gammelstaad

           

Der Alltag in der weiten Prairie bestand meist aus dem gleichen Trott. Morgens wurden die Rinder gesammelt und auf eine neues Stück Weide gebracht um eine Überweidung zu vermeiden. Zwischendurch wurden neugeborene Rinder nach Cowboyart makiert, denn Rinderdiebe waren immer wieder mal unterwegs!

Kranke Rinder wurden entweder geschlachtet, da man selbst Fleisch benötigte für das eigene Überleben oder bei kleineren Verletzungen gesund gepflegt! Für alle diese Tätigkeiten benötigte der Cowboy ein gut ausgebildetes Pferd! Es musste sehr rasch spurten können, da ein Rind sehr schnell sein kann! Es musste aber auch vom rasanten Galopp aus sofort stoppen können, denn so ein Rind versuchte natürlich die Cowboys und deren Pferde auszutricksen mit schnellen Richtungswechseln und Stopps. Wendungen von 180° in die gegengesetzte Richtung waren keine Seltenheit! 

Auf Grund dieser extremen Wendigkeit von Rindern musste auch das Pferd lernen sich derart rasch unter einem Reiter zu bewegen! Daher kamen meistens nur erfahrene Pferde mit auf den Rindertrail! Nur nebenbei wurden junge Pferde angeritten und trainiert (soweit es die Zeit zuließ).

 

 Das Ende eines Cattle-Drives bot den Cowboys die Gelegenheit sich untereinander zu messen! Der Staub der RinderMan trat gegeneinander an im Lassowerfen oder Bullenreiten (Vorläufer der heutigen Rodeos), aber man wollte natürlich auch wissen welcher Cowboy in diesem  Jahr das beste Pferd hatte. Wer konnte ein bestimmtes Rind schnell aus der Herde holen und in einen Pen treiben? Wer konnte am längsten das Rind von der Rückkehr zur Herde abhalten, damit die Helfer es ropen konnten und entweder wurde es markiert oder kastriert etc. Wer konnte am schnellsten eine große Herde Rinder in zwei kleine teilen? 

 Daher entstanden die heutzutage vorallem auf dem gesamten amerikanischen Kontinent sehr beliebten Cowhorse - Disziplinen. In den USA steht zum Beispiel Cutting gleich nach Golf und Tennis an dritter Stelle jener Sportarten, in denen es das meiste Preisgeld zu gewinnen gibt! Aber auch die sogenannte Westerndressur "Reining" hat  mit ihren 7 Mannövern das Können der Ranchpferde in das Reiterviereck übertragen!

 Pferde wie Rinder sind Herden- und Fluchttiere! Deshalb können wir uns heute dies im Sport zu Nutze machen! Ein Pferd wird ein Rind immer besser und schneller lesen können (die Reaktion des Rindes vorausahnen!), als ein Mensch.

 

Somit ist der reiterliche Unterschied vom Ranchpferd zum Sportpferd fast nur in der Perfektion der Ausführung erkennbar! Manche Mannöver wurden für das Sportpferd weiterentwickelt oder verändert, wie zum Beispiel der sofortige Stop! Bei den Rinderdisziplinen heißt "Stop" sofort anhalten und mit dem Rind die Position halten. Bei der Reining (Dressur) wurde der sofortige Stop in einen Sliding Stop (das Pferd rutscht meterweit auf der Hinterhand dahin) umgewandelt. Neben einem Rind einen Sliding Stop zu machen würde dazu führen, dass das Pferd noch immer auf der Hinterhand dahinrutscht und das Rind bereits in die andere Richtung über alle Berge ist. Daher hat sich ein und dasselbe Mannöver für verschiedene Disziplinen unterschiedlich entwickelt, obwohl, wie alles in der Westernreiterei, aus der Arbeit des Cowboys mit seinem Pferd stammt!

Und so war und ist der Weg vom Ranchpferd zum Sportpferd ein nicht allzu weiter.

 

                                                                                                                                                                                                                                              Quelle: Ute Holm persönlich

Cutting